Was mich am Ende kalt erwischt hat
Ich hab Verity an einem Samstagabend angefangen. Eigentlich wollte ich nur reinschauen. Um Mitternacht war ich bei Seite 200, und ehrlich gesagt hatte ich zu dem Zeitpunkt vergessen, dass ich überhaupt schlafen wollte. Das passiert mir selten.
Colleen Hoover macht hier etwas Cleveres: Der Roman fühlt sich anfangs wie eine klassische Liebesgeschichte an, zieht dir dann aber den Boden weg. Lowen, eine Schriftstellerin in Geldnot, findet das Manuskript einer anderen Autorin - und was darin steht, lässt sich nicht einfach ignorieren. Die Spannung baut sich langsam auf, fast unauffällig, bis man plötzlich merkt, dass man einem Buch nicht mehr traut. Dem Erzähler, den Figuren, sich selbst.
Für wen es sich lohnt - und für wen nicht
Wer empfindlich auf manipulative Beziehungsdynamiken reagiert, sollte wissen, dass das Buch da nicht zimperlich ist. Es ist kein leichter Leseabend. Aber es ist auch kein billiger Grusel.
Für 14 Euro bekommt man hier kein gewöhnliches Taschenbuch. Wer Genre-Grenzen mag, wer bereit ist, eine Erzählung zu lesen, der man nicht ganz vertrauen kann, der ist hier richtig. Der TikTok-Hype hat das Buch in eine Nische gedrängt, die ihm nicht ganz gerecht wird - es ist literarisch sorgfältiger als sein Ruf.
Vorbehalt: Das Ende spaltet. Glaub mir, du wirst sofort jemanden anrufen wollen, um darüber zu reden. Ob das gut oder schlecht ist, hängt davon ab, was man von einem Thriller erwartet.