Ein Rüssel, der nicht passt, und warum das gut so ist
Ich habe Karl das erste Mal beim Vorlesen aufgeschlagen, ein bisschen skeptisch, ehrlich gesagt. Otto Waalkes, der Mann mit den Ottifanten-Witzen aus den 80ern, schreibt jetzt Kinderbücher über Selbstakzeptanz? Klingt nach Marketing. Ist es aber nicht.
Karl hat einen Rüssel, der irgendwie anders ist als der aller anderen. Und das Buch nimmt das ernst, ohne sofort einen erhobenen Zeigefinger dranzuhängen. Die Geschichte bleibt leicht, hat Witz, aber der Schmerz des Andersseins ist spürbar genug, dass Kinder ab 4 Jahren ihn wirklich fühlen. Das ist die Kunst.
Was Eltern beim Vorlesen merken werden
Beim zweiten Durchgang fiel mir auf, wie gut das Bilderbuch funktioniert, wenn Kinder selbst gerade irgendetwas an sich nicht mögen: die Ohren zu groß, die Haare zu kraus, zu klein für die große Rutsche. Karl gibt dem ein Gesicht, ohne das Thema schwer zu machen.
Die Illustrationen sind klar, farbig, mit dem typischen Ottifanten-Charme. Nichts Aufdringliches. Und Otto Waalkes schreibt mit einem Rhythmus, der sich gut vorliest, was bei Bilderbüchern öfter fehlt als man denkt.
Mein einziger Vorbehalt: Wer ein tiefgründiges, literarisches Bilderbuch sucht, ist hier vielleicht falsch. Karl ist charmant und herzlich, aber kein Max und Moritz. Für den gedachten Zweck, Kindern Mut zu machen, ohne sie zu belehren, trifft es aber genau richtig. Für mich klar empfehlenswert, besonders als Geschenk für Kinder, die gerade merken, dass sie irgendwie anders ticken als die anderen.