Was dich erwartet
Kate Linville ist keine Figur, die man schnell vergisst. Charlotte Links Protagonistin hat diese ruhige, fast störrische Art, sich durch Fälle zu beißen, und das zieht sich auch durch den sechsten Band. "Kalte Tage" spielt in einem nordenglischen Winter, der wirklich kalt wirkt, nicht nur als Kulisse. Ehrlich gesagt hat mich die Atmosphäre von der ersten Seite an gepackt. Der Nebel, die kargen Landschaften, das Dörfliche, das gleichzeitig beklemmend und vertraut ist.
Für wen und für wen nicht
Wenn du die ersten fünf Bände kennst, steigst du hier mit dem richtigen Gepäck ein. Man versteht die Dynamiken, man mag Kate schon, man weiß, wie sie tickt. Als Quereinsteiger ist es zwar möglich, aber du wirst das Gefühl nicht loswerden, einen Witz erst beim dritten Erzählen zu hören.
Der Krimiplot selbst ist solide, nicht bahnbrechend. Ein Vermisstenfall, der sich schichtet, Verdächtige, die glaubwürdig bleiben, ein Tempo, das nie hetzt. Für Leser, die spannungsgeladene Seite-Turner suchen, könnte das zu ruhig sein. Für alle anderen, die lieber in eine Figur und eine Welt einziehen als durch sie hindurchzurasen, ist es genau richtig.
Was mich kurz zögern lässt
Der Preis liegt bei 26 Euro ohne Rabatt. Für einen Hardcover-Thriller ist das marktüblich, aber ich sage es trotzdem: Wenn du das Budget schonen willst, warte auf die Taschenbuchausgabe. Wenn dir die Reihe am Herzen liegt und du nicht bis Frühjahr warten kannst, greif zu.