Was dieses Buch eigentlich will

Ich hab es an einem Sonntagnachmittag aufgeschlagen, kurz vor dem Kaffee, und es erst wieder weggelegt, als es draußen dunkel war. Nicht weil es so spektakulär anfängt, sondern weil es einen Sog entwickelt, den ich nicht erwartet hatte. "Ein Leben in Songs" ist kein Biografie-Buch im klassischen Sinne. Es geht nicht darum, wer Freddie war, was er trank, mit wem er stritt. Es geht darum, wie seine Songs entstanden sind, was in ihnen steckt, was sie über ihn verraten, ohne dass er es je direkt gesagt hätte.

Die Versprechen auf dem Umschlag, unveröffentlichte Einblicke, künstlerisches Vermächtnis, klingen erstmal nach Marketing. Ehrlich gesagt hab ich die auch kurz weggewischt. Aber dann kommt man zu den Analysen einzelner Stücke, und da merkt man: Das ist jemand, der wirklich hingehört hat.

Für wen die 38 Euro Sinn ergeben

Für Leute, die Queen-Fans sind und trotzdem das Gefühl haben, Freddie nie wirklich verstanden zu haben. Für alle, die Musik lieber lesen als anschauen. Weniger für jemanden, der einfach eine bunte Hommage mit großen Fotos sucht - das ist es nicht.

Mein ehrlicher Vorbehalt: Das Buch setzt voraus, dass man die Songs kennt. Wer nur "Bohemian Rhapsody" kennt und nichts weiter, wird sich an manchen Stellen verloren fühlen. Wer aber weiß, was "The Prophet's Song" von "Innuendo" unterscheidet, für den ist das hier wie ein langer Nachklang zu etwas, das man schon lange liebt.