Eine Irrenanstalt, drei Physiker und eine Frage, die nicht loslässt
Ich habe dieses Stück zuerst in der Schule gelesen, so wie vermutlich die Hälfte von euch. Und ehrlich gesagt dachte ich damals: Pflichtlektüre, na toll. Dann saß ich mit 28 wieder damit auf dem Sofa, weil ein Freund es mir in die Hand gedrückt hat, und nach zwanzig Seiten war ich still.
Dürrenmatt erzählt von drei Männern in einer Nervenheilanstalt. Einer hält sich für Einstein, einer für Newton. Der dritte behauptet, Möbius zu sein, und hat vielleicht das gefährlichste Wissen der Welt im Kopf. Klingt absurd. Ist es auch. Aber das Stück trifft etwas sehr Reales: die Verantwortung des Denkens.
Was bleibt, wenn man das Buch zuklappt
Das Stück hat genau zwei Akte. Keine langen Einleitungen, kein Drumherum. Dürrenmatt ist präzise bis zur Grausamkeit, und seine berühmten 21 Punkte zur Theorie des Theaterstücks am Ende sind fast so stark wie das Stück selbst. Der Satz, dass eine Geschichte zu Ende gedacht werden muss, bis er sich selbst aufhebt, hat mich damals länger beschäftigt als alles andere.
Für wen lohnen sich die neun Euro? Für jeden, der Theater nicht als Dekoration betrachtet, sondern als Ort, an dem man mit unangenehmen Fragen konfrontiert wird. Wer leichte Unterhaltung sucht, ist hier falsch.
Ein Vorbehalt: Wer das Stück nur als historisches Dokument des Kalten Krieges liest, verpasst die Pointe. Es geht um heute.