Was dieses Buch verspricht - und was es hält

Der Titel klingt groß. 'Die Kraft des Islam' - da erwartet man entweder eine Streitschrift oder eine Lobeshymne, je nachdem, wo man politisch steht. Ehrlich gesagt war ich skeptisch. Bücher mit solchen Titeln neigen dazu, das eigene Publikum zu bedienen, mehr nicht.

Nach der Lektüre: Es ist differenzierter als ich dachte. Der Autor versucht tatsächlich, historische Tiefe mit einer These zur Gegenwart zu verbinden. Manche Kapitel lesen sich flüssig, fast journalistisch. Andere wirken, als wäre die Argumentation ein bisschen zu schnell zugebaut worden - eine Behauptung hier, ein Beispiel dort, und weiter.

Für wen ich es empfehlen würde

Wer neu in das Thema einsteigt und einen Überblick sucht, findet hier einen lesbaren Einstieg. Das Buch macht keine akademischen Verrenkungen. Wer dagegen schon viel gelesen hat - Religiöses, Politisches, Historisches zu Islam und Moderne - wird sich an einigen Stellen die Augen reiben. Nicht weil es falsch wäre, sondern weil es zu glatt klingt.

Ein konkretes Detail, das mich gestört hat: Die Passagen zur islamischen Welt heute greifen sehr auf westliche Quellen zurück. Das merkt man. Stimmen von innen, aus der muslimischen Gesellschaft selbst, kommen zu kurz. Das ist für ein Buch mit diesem Anspruch eine spürbare Lücke.

Für 25 Euro ohne Rabatt ist es kein Spontankauf. Wer neugierig ist, für den ist es okay. Wer tiefer will, sollte zuerst woanders schauen.