Was steckt hinter der Grüffelo-Oma?

Ehrlich gesagt war ich skeptisch. Wenn ein Bilderbuch so ikonisch ist wie der Grüffelo, dann ist jede Fortsetzung ein Risiko. Entweder sie wirkt wie ein billiger Nachschlag, oder sie überrascht. Die Grüffelo-Oma fällt für mich eher in die zweite Kategorie, auch wenn knapp.

Die Geschichte dreht sich um die kleine Grüffelomaus, die durch den Wald zieht, um ihre Grüffelo-Oma zu besuchen. Unterwegs trifft sie auf Fuchs, Eule und Schlange. Klingt bekannt? Ja, das Grundprinzip ist dasselbe wie im Original, mit einer kleinen Umkehrung, die Kinder sofort kapieren und genießen.

Vorlesen: so klingt das in der Praxis

Ich hab das Buch meiner Nichte (5 Jahre) an einem Sonntagnachmittag vorgelesen. Sie kannte den Grüffelo auswendig. Und trotzdem hat sie bei jeder Begegnung mitgefiebert, als wäre es das erste Mal. Das Reimschema von Julia Donaldson ist wieder da, flüssig, rhythmisch, mit dem richtigen Biss an der richtigen Stelle. Axel Schefflers Illustrationen sind gewohnt warm und präzise. Kein Detail zu viel, aber jedes Detail zählt.

Mein einziger Vorbehalt: Wer das Original nicht kennt, verpasst einen Teil der Freude. Der Witz der Geschichte lebt von der Umkehrung, und die funktioniert erst richtig, wenn man weiß, was umgekehrt wird.

Für wen lohnen sich die 16 Euro?

Für Familien, die den Grüffelo lieben und noch ein gutes Vorlesebuch suchen: ja, ohne Zögern. Für Eltern, die den Klassiker noch nicht kennen: lieber zuerst das Original kaufen. Aber als Ergänzung, als Geschenk, als Sonntagnachmittag-Buch? Absolut.