Was dich erwartet - und was nicht

Ehrlich gesagt hatte ich gemischte Erwartungen, als ich Broder aufgeschlagen habe. Bestsellerlisten sind kein Qualitätsmerkmal, das weiß jeder. Und trotzdem: nach den ersten zwanzig Seiten war ich drin. Nicht wegen großer Spannung, sondern wegen einer Sprache, die sich anfühlt, als würde jemand direkt mit dir reden. Kein geschwollenes Literaturdeutsch, kein Pomp.

Die Geschichte selbst ist nicht leicht zu fassen. Es geht um Figuren, die sich in Widersprüchen bewegen, die du kennst - aus dem Alltag, aus Gesprächen, vielleicht aus dir selbst. Das ist die Stärke des Buches. Es erklärt nicht, es zeigt. Manchmal fast zu zurückhaltend, das sei zugegeben.

Für wen es sich lohnt

Wer Romane sucht, die mit einer sauberen Auflösung belohnen, wird hier möglicherweise unzufrieden sein. Glaub mir, das Buch lässt dich mit offenen Fragen sitzen - bewusst, aber das ist nicht jedermanns Sache.

Für mich ist Broder genau das richtige Buch für eine Zugfahrt, an einem Sonntagnachmittag oder in dieser Zwischenzeit, wenn man eigentlich schlafen sollte, aber das Licht anlässt. Es hat diesen Sog, der sich nicht aufdrängt.

Bei 26 Euro ohne Rabatt ist die Frage berechtigt, ob es das wert ist. Wenn du Romane magst, die beim Lesen nachwirken und dich danach noch ein paar Tage beschäftigen: ja. Wenn du eher auf Plot und Tempo setzt, dann vielleicht erstmal abwarten, bis es günstiger wird.