Was Strunk kann, was andere nicht mal versuchen

Ehrlich gesagt war ich skeptisch. Heidelberg, Erinnerungen, ein Titel, der fast nach Postkarte klingt - ich hab das Buch trotzdem aufgemacht, und dann nicht mehr losgelassen. Heinz Strunk schreibt über Männer, die sich selbst schlecht kennen, über Sehnsucht, die sich nicht artikulieren lässt, über das Scheitern, das sich so leise vollzieht, dass man es erst im Nachhinein bemerkt. Genau das ist hier wieder der Fall.

Die Liebesgeschichte in "Memories of Heidelberg" ist keine, bei der man mitfiebert und hofft. Man schaut eher zu, mit diesem leichten Unbehagen, das Strunk-Leser kennen: Ich erkenne da jemanden. Vielleicht mich. Die Sprache ist lakonisch, manchmal fast klinisch, und trotzdem steckt in jedem Satz mehr Gefühl als in vielen Seiten anderer Autoren.

Für wen das Buch wirklich etwas ist

Wer Strunk schon gelesen hat - "Der goldene Handschuh", "Ein Sommer in Niendorf" - weiß, worauf er sich einlässt. Kein Happy End, keine Erlösung. Aber eine Art Wahrhaftigkeit, die man selten findet. Das SPIEGEL-Zitat auf dem Cover ("vielleicht schreibt er die realistischsten Liebesgeschichten der deutschen Literatur") ist übrigens nicht übertrieben. Ich hab nach dem letzten Kapitel kurz aus dem Fenster geschaut, ohne wirklich etwas zu sehen.

Wer leichte Unterhaltung sucht oder Liebesromane mit Hoffnung am Ende, ist hier falsch. Wer bereit ist, sich ein bisschen unwohl zu fühlen und dafür sehr präzise Literatur zu bekommen: Strunk ist der richtige Autor dafür, und dieser Roman gehört zu seinem Besten.