Die Hochstaplerin, die man nicht vergisst
Ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen. Der Titel klingt nach leichter Bergluft und Urlaubsstimmung, und das Cover gibt auch nicht viel her. Dann aber die ersten dreißig Seiten, und ich war weg. Die Hauptfigur ist eine Hochstaplerin im besten Sinne: nicht böse, nicht dumm, sondern jemand, der sich die Welt so zurechtbiegt, wie sie gerade passt. Das ist manchmal komisch, manchmal unangenehm nah an der eigenen Biografie.
Der Roman bewegt sich rasant, fast atemlos. Kurze Kapitel, Ortswechsel, Dialoge, die sitzen. Kein unnötiges Ausschmücken. Für mich funktioniert das sehr gut, weil man nie das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten.
Was mich trotzdem kurz gestört hat
Es gibt eine Phase in der Mitte - so um die Seiten 150 bis 180 herum - wo der Roman kurz den Fuß vom Gas nimmt. Ein bisschen viel Innenwelt, ein bisschen weniger Drive. Ich hab trotzdem weitergelesen, weil das Ende das alles wieder aufholt. Aber wer nach der ersten Hälfte abbricht, verpasst das Beste.
Für wen lohnt sich das Buch? Für alle, die Figuren mögen, die nicht funktionieren wie gedacht. Wer einen klassischen Spannungsroman erwartet, ist vielleicht falsch hier. Wer aber gerne mitreist, mitzweifelt, mitlacht: hier stimmt das Verhältnis zwischen Unterhaltung und Substanz. 24 Euro für ein Hardcover, das ich danach direkt weiterempfohlen habe. Das sagt eigentlich schon alles.