Was mich reingezogen hat

Ehrlich gesagt war ich skeptisch. Titel wie "absolut süchtig machend" sind meistens Versprechen, die das Buch dann nicht einlöst. Aber "Häftling" hat mich überrascht. Die erste Szene sitzt sofort: ein Verhörraum, eine Frau, eine Geschichte, der man nicht ganz trauen kann. Und genau dieses Misstrauen trägt sich durch das ganze Buch.

Die Twists sind nicht von der billigen Sorte - du weißt oft, dass etwas nicht stimmt, aber du kannst den Finger nicht drauflegen. Das ist für mich der Unterschied zwischen einem guten Thriller und einem, der nur Effekte sammelt. Hier steckt Kalkül dahinter, wie Informationen dosiert werden.

Für wen es sich lohnt

Wer Gillian Flynn mag, wird sich schnell zuhause fühlen. Ähnliche Atmosphäre, ähnliche Bereitschaft, Figuren moralisch unangenehm zu lassen. Das ist kein Feel-Good-Buch, und das soll es auch nicht sein.

Ein Vorbehalt: Der mittlere Teil zieht sich ein bisschen. Nicht dramatisch, aber ich hab das Tempo gespürt. Wer ungeduldig liest, könnte da kurz stolpern. Für mich war es trotzdem kein Grund, das Buch wegzulegen, weil die Figuren interessant genug bleiben.

Mit knapp 15 Euro bekommst du einen Thriller, der seine Versprechen weitgehend einhält. Kein Buch, das ich vergessen habe, sobald ich die letzte Seite zugeklappt habe - und das sage ich nicht über jeden Roman. Für einen verregneten Samstag, eine lange Zugfahrt oder einfach für die Nacht, in der man eigentlich früh schlafen wollte: passt gut.