Was dieses Buch eigentlich ist
Fiasko ist eine Sammlung kurzer Fiktionen rund ums Scheitern, ums Abgewiesen-werden, um diese kleinen täglichen Niederlagen, die man normalerweise niemandem erzählt. Der amerikanische Originaltitel heisst schlicht Rejection. Das trifft es besser, ehrlich gesagt.
Ich habe es an einem Sonntagnachmittag aufgeschlagen, wollte kurz reinlesen. Drei Stunden später sass ich noch da, weil die Texte so kurz sind, dass man immer denkt: noch einen. Und dann noch einen. Dieses Sog-Prinzip funktioniert.
Die Stimme macht den Unterschied
Was mich wirklich überrascht hat: der Ton. Nicht selbstmitleidig, nie jammernd. Eher trocken, manchmal fast beiläufig grausam. Eine Szene, in der eine Bewerbung nach der anderen ins Leere läuft, liest sich wie Komödie, und man merkt erst im Nachhinein, dass sie einen kurz getroffen hat. Das ist Handwerk.
David Sedaris hat nicht ohne Grund seinen Namen drauf gesetzt. Die Verwandtschaft zum amerikanischen Humorensay ist spürbar, ohne dass das Buch je albern wird.
Für wen es sich lohnt - und für wen nicht
Fuer alle, die kurze, dichte Prosa mögen und Humor als Deckmantel fuer etwas Ernstes schaetzen: klare Empfehlung. Fuer jemanden, der einen Roman sucht oder eine Geschichte mit Anfang und Ende - lieber nicht. Die Texte sind Splittertexte, kein Gebaude.
Bei 26 Euro ohne Rabatt muss man das wissen. Kein Schnappchen im klassischen Sinne. Aber ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.