Eine Mücke träumt, und das ist erstaunlich gut
Ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen. Moritz Neumeier kenne ich als Comedian, nicht als Kinderbuchautor. Und dann sitze ich mit meiner Nichte (6) auf dem Sofa, schlage das Buch auf, und nach drei Seiten lacht sie laut los. Nicht weil es albern ist, sondern weil sie Edward sofort versteht. Diese kleine Mücke, die einfach nicht das sein will, was alle von ihr erwarten.
Der Witz liegt im Ton. Neumeier schreibt so, wie er spricht: ein bisschen schräg, mit einem Augenzwinkern, aber nie über die Köpfe der Kinder hinweg. Die Illustrationen tragen das gut mit, sie sind ausdrucksstark, ohne überladen zu sein.
Für wen ist es das Richtige?
Für Kinder ab 5, die anfangen zu merken, dass sie vielleicht ein bisschen anders ticken als die anderen in der Gruppe. Oder für Eltern, die ihnen das sanft zeigen wollen, ohne eine Lektion draus zu machen. Das Buch predigt nicht. Es erzählt einfach.
Mein einziger Vorbehalt: Wer einen ruhigen, klassischen Bilderbuch-Ton sucht, wird sich vielleicht wundern. Neumeiers Humor ist präsent, manchmal fast kabarettistisch. Das ist kein Fehler, aber es ist eine Entscheidung.
Für mich ist das eines der überraschendsten Kinderbücher der letzten Zeit. Kein Rabatt, Normalpreis, und trotzdem gut angelegtes Geld. Manche Bücher rechtfertigen ihren Preis einfach durch das, was sie bei einem Kind auslösen.