Was dich erwartet - und was nicht

Ich sag's direkt: Wer nach anspruchsvoller Belletristik sucht, wird hier nicht fündig. John Strelecky erzählt die Geschichte eines Mannes, der völlig erschöpft in einem Café irgendwo am Ende der Welt landet - und dort drei Fragen auf der Speisekarte findet, die sein Leben auf den Kopf stellen. Klingt simpel. Ist es auch. Aber manchmal braucht man genau das.

Der Stil ist schlicht, die Dialoge teils fast zu direkt. Kein literarischer Hochgenuss. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, bleibt das Buch hängen.

Der Moment, der mich erwischt hat

Ich hab es an einem Sonntagabend gelesen, eigentlich nur kurz reinschauen wollen. Zwei Stunden später saß ich noch da, Kaffee längst kalt, und hatte zwei Seiten Notizen geschrieben. Nicht über das Buch, über mich. Das passiert mir selten.

Das ist ehrlich gesagt die stärkste Qualität dieses Buchs: Es stellt Fragen, die du kennst, aber seit Monaten verdrängt hast. Für wen lebe ich das eigentlich? Was will ich wirklich? Keine neuen Fragen, klar. Aber gut gestellt, im richtigen Moment, können sie viel auslösen.

Für wen, für wen nicht

Wer gerade an einem Wendepunkt steht, beruflich oder privat, dem kann dieses Buch mehr geben als zehn Podcasts über Produktivität. Wer dagegen Tiefe sucht, philosophischen Gehalt, eine sprachlich dichte Prosa - der greift lieber woanders hin. Für unter zehn Euro ist es trotzdem ein fairer Deal, glaub mir. Das Risiko ist überschaubar, der mögliche Gewinn nicht.