Der Aufhänger, der sitzt

Ein verlängertes Wochenende, eine abgelegene Unterkunft, ein paar enge Freunde. Klingt nach dem idealen Kurzurlaub. Arno Strobel nimmt genau dieses Bild und dreht es so lange um, bis einem das Lesen fast körperlich unangenehm wird - auf die gute Art. Ich hab das Buch freitagabends aufgemacht und sonntags um zwei Uhr nachts zugeklappt, leicht erschöpft, mit dem Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein.

Was Strobel besser macht als viele andere

Ehrlich gesagt bin ich bei deutschen Psychothrillern oft skeptisch. Zu viel Klischee, zu vorhersehbar, die Wendung kommt meistens genau dort, wo man sie erwartet. Hier nicht. Strobel baut die Spannung ruhig auf, fast beiläufig, und dann zieht er den Boden weg. Die Figuren sind keine Pappaufsteller - man versteht ihre Entscheidungen, auch wenn man sie gleichzeitig anschreien möchte. Das ist selten.

Der Schreibstil ist direkt, kein literarischer Schnickschnack. Für mich genau richtig für ein Buch, das einen mitreißen soll.

Für wen, für wen nicht

Wer ruhige, atmosphärische Thriller mag - denk an Strandhaus-Feeling, das kippt - wird hier gut aufgehoben sein. Wer brutale Splatter-Szenen oder hochkomplexe Plots erwartet, schaut sich lieber woanders um. Und ein kleiner Vorbehalt: Das Ende ist nicht für jeden befriedigend. Manche finden es offen auf die richtige Weise, andere fühlen sich ein bisschen hängen gelassen. Ich gehörte zur ersten Gruppe, aber das sollte man wissen.

Für 18 Euro bekommt man ein Buch, das man tatsächlich liest. Das ist schon mehr wert, als es klingt.