Sizilien riecht man fast durch den Controller
Ich hab das Spiel an einem Sonntagabend angefangen - nur kurz reinschnuppern, dachte ich. Zwei Stunden später saß ich noch da, weil die erste Szene so ungewöhnlich ruhig beginnt: ein junger Sizilianer, staubige Olivenhaine, ein Dorf kurz vor dem Zerbrechen. Kein Tutorial-Bombardement, keine Minimap-Explosion. Einfach Atmosphäre.
Das ist der größte Trumpf von The Old Country. Die Macher haben sich nicht für Quantität entschieden. Die Spielwelt ist kleiner als in Mafia III, aber jeder Winkel wirkt wie mit Absicht platziert. Die Lichtführung in den engen Gassen, die Musik, die man eher spürt als hört - das sitzt.
Wer hier falsch ist
Ehrlich gesagt: Wer einen Shooter mit 80 Stunden Content sucht, wird enttäuscht sein. The Old Country ist eine geradlinige Geschichte. Man folgt ihr, man entscheidet kaum. Manche werden das als Stärke sehen, andere als Einschränkung. Ich finde es mutig - aber ich sage das als jemand, dem gute Regie wichtiger ist als offene Welten.
Die Kämpfe sind solide, nie spektakulär. Das Deckungssystem funktioniert, macht aber keinen Unterschied zum Genre. Was einen hierher zieht, ist die Figur, ihre Entscheidungen, das Sizilien der frühen 1900er als Kulisse, die man so noch kaum gespielt hat.
Für knapp 32 Euro bekommt man einen Abend - nein, mehrere Abende - mit einer Geschichte, die tatsächlich etwas erzählen will. Für Story-Liebhaber ein klarer Kauf. Für alle anderen: lieber kurz reinschauen, bevor der Vorrat weg ist.